EU-Planspiel zur europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik in der Ratzeburger Volkshochschule

Samstag, 07.10.2017, 10:00 – 17:00 Uhr                                       Ernst-Barlach-Schule, Ratzeburg

Ein Sondergipfel des Europäischen Rates tagt in Ratzeburg und soll in der europäischen Politik zukünftige Ziele und Prioritäten setzen. Auf der Agenda die umstrittene europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik mit Positionen zwischen „Abschottung versus Zuwanderung“. Eine gemeinsame Linie erscheint schwierig, auch angesichts anderer gegensätzlicher Interessen und Konflikte zwischen den Mitgliedsstaaten. Diese sind auf dem Sondergipfel durch die Staats- und Regierungschefs sowie die Innenminister*innen vertreten, die Organe der Europäischen Union durch den Ratspräsidenten und den Kommissionspräsidenten. Die kritische Öffentlichkeit wird durch Journalist*innen sowie Vertreter*innen von Pro Asyl und dem UNHCR dargestellt.
 

Dies ist das Szenario des EU-Planspiels zur europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik, zudem die Ratzeburger Volkshochschule in Kooperation mit dem Verein Miteinander leben e.V. am 07.10.2017 von 10:00 – 17:00 Uhr in die Ernst-Barlach-Schule politisch interessierte Bürger*innen einlädt. Es soll die politischen Diskussions- und Entscheidungsprozesse auf europäischer möglichst realitätsnah simulieren und die Teilnehmer*innen Politik auf diese Weise aktiv und hautnah (nach-)erleben lassen. In der Rolle des Regierungschefs oder Innenministers müssen die Aufgaben innerhalb des gegeben Handlungsspielraums verantwortungsvoll wahrgenommen werden. Das Planspiel beginnt mit einer thematischen Einführung in das Szenario „Sondergipfel“. Die Rollen werden vergeben, die Teilnehmer*innen arbeiten sich ihre Regierungshaltungen ein und es beginnt eine rund 6-stündige Simulation… ergebnisoffen, im Geiste der europäischen Einigung, aber mit allen Schwierigkeiten des politischen Tagesgeschäftes. Führen sie den Gipfel zu einem Erfolg?
 

Die Leitung und Durchführung des rund 6 stündigen Planspiels, das am Vortag auch für eine Klasse der Lauenburgischen Gelehrtenschule durchgeführt wird, obliegt Enrico Kreft, der als Präsidiumsmitglied des Europaforum und Mitglied der Jungen Europäischen Föderalisten seit vielen Jahren ein ausgewiesener Europapolitiker ist.
 

Das Planspiel wird  kostenfrei angeboten und gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen“. Es wird eine Mindestanzahl an Teilnehmer*innen für das Planspiel benötigt. Eine Anmeldung unter volkshochschule@ratzeburg.de oder 04541-206726 wird daher erbeten.

 

Afrikanische Migration im Spannungsfeld von Fluchtursachen und Erwartungshaltungen

Vortragsabend mit Dr. Günther Rusch

05.10.2017, 19:00 Uhr, Kirche St. Answer, Fischerstraße 1

Die Ratzeburger Volkshochschule setzt am 05.10.2017 um 19:00 Uhr ihre Vortragsreihe zur politischen Bildung in der katholischen Kirche St. Answer, Fischerstraße 1, mit einem Vortrag von Dr. Günther Rusch zur "Afrikanische Migration im Spannungsfeld von Fluchtursachen und Erwartungshaltungen" fort.

Die internationale Migrationsforschung spricht von einem „pulling“ und „pushing effect“. Die Anziehungskraft einer neuen Umgebung wird von vielen unterschiedlichen Faktoren bestimmt. Dem steht der Leidensdruck derjenigen gegenüber, die sich fluchtartig oder mit falschen Vorgaben der angestammten Heimat und ihren lebensbedrohenden Verhältnissen entziehen. Zwischen beiden Migrationsgründen gibt es eine Grauzone. Denn wenn Abwanderung oder Flucht unvermeidlich zu sein scheinen, sollte es zumindest in solche Zielgebiete gehen, wo bessere Lebens- und Erwerbsmöglichkeiten sowie Sicherheit bestehen. Für Afrikaner sind das vor allem die Groß-und Megastädte und Europa. Dr. Günther Rusch versucht als ausgewiesener Afrikakenner einen Einblick in die in Afrika vorherrschenden Migrationsgründe – und folgen zu geben.

Dr. Günther Rusch hat sich seit seinen Studienjahren in den 1960er und 70er Jahren in vielfältiger Weise mit nahezu allen Regionen Afrikas befasst; wissenschaftlich, als Berater, Referent und Delegierter von Hilfsorganisationen. In seiner Nebentätigkeit hat er über dreißig Jahre an der Vorbereitung von Auslandstätigen (Entwicklungshelfern, Diplomaten, Praktikanten usw.) mitgewirkt. Seine Erfahrungen nutzt er jetzt als Dozent an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus, an zwei afrikanischen Hochschulen sowie in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Bildungs- und Umweltfragen in Afrika.

Der Vortrag wird in Kooperation mit dem Verein Miteinander leben e.V.  durchgeführt und gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen“.

"Trumped" - Unsere Erfahrungen mit dem neuen US-Präsidenten

Vortragsabend mit Dr. Udo Metzinger

29.09.2017, 19:00 Uhr, Ratssaal des Rathauses

Die Ratzeburger Volkshochschule startet am 29.09.2017 um 19:00 Uhr eine weitere Vortragsreihe zur politischen Bildung im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses zusammen mit Dr. Udo Metzinger, Politikwissenschaftler, Dozent und ausgewiesener Amerikaexperte, der mit wachsendem Erstaunen die Entwicklung der amerikanischen Politik unter der Präsidentschaft von Donald J. Trump verfolgt und im Rahmen seines Vortrages "Trumped - Unsere Erfahrungen mit dem neuen US-Präsidenten" mit Kennerblick bewerten möchte.

Wer hätte das gedacht? Donald Trump, der polternde Politikneuling, ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Seine ersten Monate im Amt muteten an als wäre er direkt aus seiner TV-Reality-Show ins Weiße Haus gebeamt worden. Scheinbar ruhelos unterzeichnete er teilweise verfassungswidrige Dekrete, traf sich mit Gewerkschaftern, Unternehmensbossen und Besuchern aus anderen Ländern, irrlichterte ein bisschen in der Außenpolitik herum und vor allem: er twitterte. Aktionismus pur! Gleichzeitig dringen immer mehr Details über Konflikte in seiner Mannschaft nach außen, sein erster Sicherheitsberater musste bereits den Hut nehmen, der FBI-Chef wurde entlassen, ein Sonderermittler wurde eingesetzt, die Pressesprecher ausgetauscht und der Chefstratege gefeuert.

Was ist da los in Washington? Euphemistisch gesagt: es ist der wohl holprigste Start einer neuen US-Administration seit ganz langer Zeit. Was bedeutet all das für Amerika? Und was für uns? Was kommt da noch auf uns zu?

Der Vortrag wird in Kooperation mit dem Verein Miteinander leben e.V. durchgeführt und gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen“.

"Gut informiert in die Wahl"                                   Volkshochschule Ratzeburg lädt Landtagskandidaten zum Bürgerdialog

04.04. 2017, 19:30 Uhr, Ratssaal des Rathauses

Am 07. Mai 2017 wird der 19. Schleswig-Holsteinische Landtag gewählt, Zeit also, für verantwortungsbewusste Wähler*innen ihre Wahlentscheidung vorzubereiten. Dabei helfen soll ein Gesprächsabend, mit Landtagskandidaten der im Landtag vertretenen Fraktionen, die sich im Nordkreis zu Wahl stellen. Gastgeber dieses Bürgerdialoges am 04. April 2017 um 19:30 Uhr im Ratssaal des Rathauses ist die Volkshochschule Ratzeburg.

Auf der Grundlage eines Vergleiches der jeweiligen Wahlprogramme nehmen die Kandidatinnen und Kandidaten zu ausgewählten landespolitischen Themen Stellung und stellen sich anschließend den Fragen des Publikums. Die Vorstellung der verschiedenen Standpunkte in den Wahlprogrammen zu den jeweiligen landespolitischen Themenfeldern werden Jung– und Erstwähler*innen der Lauenburgischen Gelehrtenschule präsentieren.

"Politische Bildung ist eine Kernaufgabe der Erwachsenenbildung und gerade mit Blick auf die nbstehenden Wahlen in 2017 und 2018 ein besonders wichtiges und wiederkehrendes Angebot im Programm der Ratzeburger Volkshochschule", sagte Holger Martens, Leiter der VHS-Ratzeburg, der sich auf einen weiteren informativen und diskursiven Abend im Rahmen der Schwerpunktreihe "Politik" freut.

Dienstags-Vorträge der Volkshochschule Ratzeburg "Trump, BREXIT und ein Politclown"

Vortrag von Dr. Udo Metzinger                                                    28.03.2017, 19:00 Uhr, Ratssaal des Rathauses

„Experten vor Ort“ referieren für „Interessierte vor Ort“ - auf diesen einfachen Nenner lässt sich das erfolgreiche Konzept der Dienstags-Vorträge der Ratzeburger Volkshochschule bringen, zu denen sich immer wieder ein zahlreiches Publikum im Ratssaal des Rathauses einfindet. Das Vortragsspektrum reicht dabei von kulturellen Themen über Kunst und Musik, Anthropologie bis hin zu geschichtlichen Schwerpunkten mit kulturhistorischen, naturwissenschaftlichen oder archäologischen Inhalten. Am Dienstag, den 28.03.2017 um 19:00 Uhr, wird die Reihe der Volkshochschule mit einem politischen Vortrag von Dr. Udo Metzunger passend zum Schwerpunktthema des Frühjahrssemester fortgesetzt. "Trump, BREXIT und ein Politclown" lautet der Titel und vespricht Einblicke und Diskussion zu einem hochaktuellen Geschehen.

 

Was sagt es über die Demokratie, wenn Donald Trump das mächtigste politische Amt der Welt erhält? Und wenn dies in einer Weise geschieht, die jedes Niveau einer politischen Auseinandersetzung unterschreitet und wenn Massen, Männer und Frauen, diesem Kandidaten auch noch zujubeln? Was sagt es über die Demokratie, wenn in einer Volksabstimmung, dem scheinbaren Ideal demokratischen Handelns, schamlos mit falschen Informationen argumentiert und dieses im Nachhinein auch ebenso so schamlos zugegeben wird. Was sagt es über die Demokratie, wenn ein Politclown voller Kritik aber ohne eigene Ideen als Ikone der Veränderung gefeiert und ins Parlament getragen wird? Was sagt es über die Demokratie, wenn die Debattenkultur virtuell und auch real verroht, Sachinformationen diskreditiert werden und Experten und dem so genannten "Establishment" das Vertrauen entzogen wird. Wird Politik so zunehmend zum Showbetrieb? ... lassen wir unsere demokratischen Institutionen verlottern?

 

Der Vortrag wird in Kooperation mit dem Verein Miteinander leben e.V. im Rahmen der politischen Bildungsreihe "Demokratie leben" durchgeführt. Der Eintritt ist frei.

 

Volkshochschule Ratzeburg und Verein Miteinander leben e.V. laden im Rahmen der Schwerpunktreihe "Politik" zur Schreibwerkstatt "Der politische Text"

Wochendworkshop mit Christoph Ernst & Mark Sauer              24.03.2017, 16:00 - 21:00 Uhr                                                    25.03.2017, 10:00 - 17:00 Uhr

"Wo lassen Sie denken?" - Diese zentrale Frage möchte die Schreibwerkstatt "Der politische Text" mit politisch interessierten Menschen diskutieren, ehrlich reflektieren und dabei einladen, selbst Erdachtes und Erkanntes tasächlich niederzuschreiben, als Essay, Kommentar, Gedicht oder Blog. Die Schreibwerkstatt "Der politische Text", ein kleines kritisches Werkzeug zu medialen Wahrheiten und Wirklichkeiten, ist eine Premiere, vielleicht ein Wagnis, auf das sich die Dozenten Christoph Ernst und Mark Sauer gerne einlassen wollen, um den Blick für selbstbestimmte, politische Standpunkte zu schärfen.
 

Begriffe bestimmen unser Denken, doch wer definiert die Begriffe und setzt die Agenda? Wir werden manipuliert. Fragt sich wie massiv und durch wen? In Zeiten orchestrierter Fake-News und polarisierter Debatten scheint es immer schwieriger, sich eine unabhängige Meinung zu bilden. Doch was ist das eigentlich, eine unabhängige Haltung, und wie drückt man sie so aus, dass man sich mit anderen, die anders denken, fruchtbar darüber austauschen kann? Es geht dabei um den politischen Diskurs, oder besser, um die Diskurskultur. Die droht scheinbar vor die Hunde zu gehen, so dass kritische Fragen mehr als angebracht sind. Die Schreibwerkstatt beschäftigt sich mit der Wirksamkeit politischer Texte und möchte selbst solche erstellen. Beispiele aus Gegenwart und Vergangenheit beleuchten dabei Quellen, Nachrichtenauswahl und Medienkampagnen, Propaganda und die Macht der Algorithmen.
 

Mitzubringen sind Neugierde, Lust auf Debatten, Kreativität und der Mut, sich auf unbequeme Positionen einzulassen. Letztlich geht es uns darum, das innere Ohr zu schulen, weil beide Dozenten davon überzeugt sind, dass Zuhören auch und gerade in der Politik die wichtigste Technologie ist.

Eintritt frei, Voranmeldung obligatorisch unter Tel.: 0451/800-146 oder 04541/206726

Kritisches zum Thema "TTIP"

Großes Interesse am Vortrag von Dr. Reinhard Crusius im Ratzeburger Ratssaal

Auf deutlich mehr Interesse als erwartet stießen der Verein Miteinander leben e.V. und die Volkshochschule Ratzeburg mit ihrem Vortragsangebot von Dr. Reinhard Crusius zum Themenkomplex TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) im Rahmen der politischen Bildungsreihe „Demokratie leben“ am vergangenen Donnerstag. Mit rund 90 Besuchern füllte sich der Ratzeburger Ratssaal zur Freude der Veranstalter bis auf letzten Platz.

Dr. Reinhard Crusius arbeitete viele kritische Fragen zum Thema TTIP heraus (Foto: Jens Butz)

Ökonom Dr. Crusius, Autor des Buches „Rettet Europa, nicht nur die Banken“, erläuterte in seinem rund zweistündigen Vortrag die geschichtliche Entwicklung des Freihandels und skizzierte dabei das stete Wechselspiel von Protektionismus und Liberalismus und die mit diesen Positionen verbunden Interessen. Wichtig war ihm dabei die Frage des „Cui bono?“ – „Wer profitiert?“ herauszuarbeiten, insbesondere in einer zunehmend global agierenden Wirtschaftswelt, in denen auf der inter- und transnationalen Ebene nicht mehr nur Staaten, sondern auch multinationale Konzerne als Akteure agieren und ihre Interessen vertreten. Die historische Perspektive, die ausgehend vom Merkantilismus Frankreichs, über der entstehenden „Manchester-Kapitalismus“ in Großbritannien und Adam Smiths „unsichtbare Hand“ des Wirtschaftens bis zu den Freihandelsregimen der Neuzeit, dem GATT (General Agreement on Tariffs and Trade), der WTO (World Trade Organization) und den regionalen Freihandelsabkommen wie der NAFTA (North American Free Trade Agreement) führte, erwies sich dabei als wichtig, um die Hintergründe und Inhalte von aktuell diskutierten Freihandelsabkommen einordnen und ihren neoliberalen Geist verstehen zu können. TTIP, das nordamerikanisch-europäische Freihandelsabkommen, CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) das kanadisch-europäisch Pendant und TiSA (Trade in Services Agreement), der geplante weltumspannende Dienstleitungsfreihandel, konnten in diesem Zusammenhang als Vertragswerke beschrieben werden, in denen wirtschaftsliberale Inhalte und Marktinteressen multinationaler Unternehmen völkerrechtlich verbindlich festgeschrieben werden sollen, erkennbar zu Lasten von demokratischen Strukturen in den Nationalstaaten.

Dr. Reinhard Crusius arbeitete viele kritische Fragen zum Thema TTIP heraus (Foto: Jens Butz)

Gerade am Beispiel von TTIP konnte Dr. Crusius zahlreiche Fragen aufwerfen, die diesen Zielkonflikt zwischen Demokratie und Ökonomie deutlich machen. So kritisierte er die Einrichtung von nichtöffentlich tagenden Schiedsgerichten zum Investorenschutz, in denen Unternehmen nicht nur ihre getätigte Investitionen gerichtlich gegen staatliche Eingriffe absichern und auch Schadensersatz einklagen, sondern dabei auch entgangene Gewinne in der Zukunft geltend machen zu können. Hier werde, so Crusius, eine Gerichtsbarkeit für Wirtschaftsfragen parallel zu einem funktionierenden Gerichtswesen installiert, in denen maßgeblich, rechtsstaatliche Komponenten, wie Öffentlichkeit, Unabhängigkeit und Revisionsmöglichkeit nicht umfänglich gegeben sind. Bereits heute sind mehr als 30 Klageverfahren bekannt, in denen in dieser Weise Unternehmen Staaten in Milliardenhöhe zu belangen versuchen, weil zum Beispiel per Gesetz Umweltstandards angehoben wurden, die zukünftige Gewinnmargen der Unternehmen schmälern. Crusius kritisierte aber auch, dass in den Verhandlungen von TTIP Umwelt- und Sozialstandards auf einem Status Quo festgeschrieben werden sollen. Niemand, so die offizielle Lesart, soll sich in diesen Standards verschlechtern. Dies klingt zunächst beruhigend, so Dr. Crusius, bedeutet aber auch, dass diese Standards nicht mehr verbessert und angehoben werden können, wenn zum Beispiel die Wissenschaft neue Erkenntnisse zur Giftigkeit von Stoffen ermittelt. Ebenso wies er auf die Problematik hin, dass beide Verhandlungspartner zwar das Recht haben, bestimmte Bereiche aus den TTIP-Verhandlungen auszuklammern. So schützt Frankreich beispielsweise die eigene Filmindustrie. Diese sogenannte Negativliste wird aber nur einmal erstellt. Alle zukünftigen Entwicklungen in der Wirtschaft- und Arbeitswelt, im Bereich des Datenschutz oder den Umweltstandards bleiben unberücksichtigt und werden somit völlig den Entwicklungen des liberalisierten Marktes preisgegeben. Schließlich stellt TTIP auch Zuständigkeiten in Frage, die bis auf die kommunale Ebene hinunterreichen. Was darf der Staat zukünftig als hoheitliche Aufgabe noch finanzieren, beispielsweise im Bereich von städtischer Daseinsvorsorge wie Ver- und Entsorgung, Kultur oder Bildung und was muss er dem Markt überlassen. Auch hier drohe eine neoliberale Verschiebung zu Gunsten von Wirtschaftsinteressen, so Dr. Crusius.

 

In der sich anschließenden Diskussion mit einem offensichtlich sehr gut informierten und kritischen Publikum, wurde noch einmal deutlich, woran  sich der zunehmende Widerstand an TTIP, CETA und TISA entzündet. Es geht nicht um die Frage, ob sich das eher sozialliberal orientierte Wirtschaftsmodell der EU oder das marktliberale Wirtschaftsmodell der USA durchsetzt. Es geht um die Frage, welche Macht, auch politische Macht, multinationale Unternehmen, die in der EU wie in den USA das gleiche neoliberale Interesse haben, über diese Abkommen im Verhältnis zu den demokratischen Strukturen der Staaten und gegenüber klein- und mittelständischen Betrieben sowie den Lohnbeschäftigten auf beiden Seiten des Atlantiks bekommen. Vor allem geht es aber auch um die Frage, warum die zunehmende Kritik seitens der Bevölkerung in den Medien kaum Widerhall findet. 250.000 Menschen versammelten sich im Oktober 2015 in Berlin zu einer Demonstration gegen TTIP. Diese größte Demonstration in der bundesdeutschen Geschichte war für viele Medien nur eine Randnotiz. Solches Unbehagen am Verhandlungsprozess spiegelte sich in zahlreichen Wortbeiträgen und wird sich auf der nächsten Großdemonstration in Hannover am 23.04.2016 wieder zeigen.

 

„TTIP - Droht Europa der Ausverkauf von Sozial- und Umweltstandards durch die Hintertür?“

Volkshochschule Ratzeburg lädt zu Vortrag mit Dr. Reinhard Crusius

Für die Volkshochschule Ratzeburg ist politische Bildung ein wichtiger Auftrag der Erwachsenbildung, gerade in Zeiten wo eine intensive gesellschaftliche Debatte zu vielen drängenden Themen notwendig ist. Zu einem solchen Thema gehört zweifelsohne das europäisch-nordamerikanische Freihandelsabkommen TTIP. Viele Menschen schauen mit Unbehagen auf Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und üben Kritik an der Intransparenz von Verhandlungsinhalten und –ergebnissen. Eine Kritik, die der Hamburger Ökonom Dr. Reinhard Crusius, Autor des Buches "Rettet Europa, nicht nur die Banken", teilt und im Rahmen eines Vortrages am 03.03.2016 um 19:00 Uhr im Ratssaal der Stadt Ratzeburg begründen will. Unter dem Titel TTIP - Droht Europa der Ausverkauf von Sozial- und Umweltstandards durch die Hintertür?“ geht Dr. Crusius der Frage nach, was bei TTIP eigentlich verhandelt wird und ob Europa sich dabei dem amerikanischen Wirtschaftsmodel öffnet? Um die Folgen von TTIP einzuschätzen, schaut er auf bereits bestehende Freihandelsabkommen und skizziert, wer davon profitiert und wer verloren hat. Der Eintritt zum Vortrag, der in Kooperation mit dem Verein Miteinander leben e.V. durchgeführt wird, ist frei. Kritische Fragen sind erwünscht.

Der NSU-Prozess und seine Bedeutung in der Gesellschaft Vortrag mit Prof. Dr. Hajo Funke

11.11.2014, 19:00 Uhr Ratzeburg, Ratssaal des Rathauses, Unter den Linden 1

Der NSU-Prozess, die juristische Aufarbeitung der umfangreichsten Terrorreihe in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik, dauert nunmehr 17 Monate. Er wird flankiert von der Arbeit der verschiedener Untersuchungs- ausschüsse, die zum Teil schon ihre Ergebnisse vorstellen könnten und das Bild eines Staatsversagens zeichnen, das seine Wurzeln nicht nur in Kompetenzgerangel von Sicherheitsbehörden hat, sondern auch im Rassismus, der in weiten Teile der Gesellschaft wirksam ist.In der Reihe „Demokratie leben“ werfen die Volkshochschule Ratzeburg und der Vereins Miteinander leben e.V. am 11.11.2014 um 19:00 Uhr im Ratssaal des Rathauses bereits zum zweiten Mal nach 2012 ein Blick auf diesen Themenkomplex. Unter dem Titel "Der NSU-Prozess und seine Bedeutung in der Gesellschaft" wird dieses Mal Prozessbeobachter Prof. Dr. Hajo Funke vom Otto-Suhr-Institut für Politische Wissenschaft an der Freien Universität Berlin maßgebliche Fragestellungen aus dem Prozessgeschehen aufgreifen.

Was zeichnet sich nach über 150 Verhandlungstagen im NSU-Prozess für ein Bild von den Taten, den Tätern, den Ermittlungen, dem Umgang mit den Opfern? Zeichnet sich ein klares Bild von der Struktur der Terrorgruppe oder bleiben Unklarheiten über mögliche Unterstützerszenen? Hat der Prozess das Potential, einen weitergehenden gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen über Rassismus, dem gesellschaftlichen Miteinander oder ist mit der eingeleiteten Veränderung der Sicherheitsarchitektur und der noch ausstehenden Urteilsverkündung Alles gesagt und getan?


Die Antworten, die Prof. Dr. Hajo Funke hierzu geben kann, sind keinesfalls ermutigend, bisweilen alarmierend und bedürfen einer breiten gesellschaftlichen Diskussion, zu der diese Veranstaltung, die wiederum vom Lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie des Kreises Herzogtum Lauenburg gefördert wird, einen Beitrag leisten möchte. Der Eintritt ist frei.

"Jahr der politischen Bildung" - 2012

Der US-Präsidentschaftswahlkampf 2012 - Wohin steuert Amerika? U.S. Presidential Election 2012: Process, Politics, and Prospects

20. September 2012, 19:00 Uhr - Ratsaal des Rathaus, Ratzeburg

Auf Einladung der Volkshochschule Ratzeburg möchte die US-Generalkonsulin Inmi K. Patterson aus Hamburg am 20. September 2012 um 19:00 Uhr im Ratssaal der Stadt Ratzeburg diese Aufgabe als fach- und sachkundige Referentin übernehmen und unter dem Titel „U.S. Presidential Election 2012: Process, Politics, and Prospects“ einen umfassenden und informativen Einblick zum aktuellen Topthema der amerikanischen Innenpolitik geben.

 

Generalkonsulin Patterson beendet mit ihrem Vortrag im Ratzeburger Rathaus eine ganztägige Besuchsrundfahrt in Mölln und Ratzeburg, in deren Rahmen Sie sich über touristische und wirtschaftliche Seiten der Städte informieren und ein Gespräch mit Schülern zum Thema „Amerika“ führen möchte.


Ihren Vortrag wird Generalkonsulin Patterson auf Englisch und auf Deutsch halten. Die Veranstaltung ist ein Beitrag des Volkshochschule Ratzeburg zum "Jahr der Politischen Bildung", ein Projekt im Rahmen des Lokalen Aktionsplans für Vielfalt, Toleranz und Demokratie im Herzogtum Lauenburg, der gefördert wird durch das Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Eintritt ist frei.



"Einfach nur dagegen - Wie wir unseren Kindern die Zukunft verbauen."

Journalist und Autor Gerhard Matzig las im Petri-Forum

Den "Wutbürger", um den es an diesem Abend gehen sollte, suchte man bei der Lesung von Gerhard Matzig unter dem Titel "Einfach nur dagegen - Wie wir unseren Kindern die Zukunft verbauen." vergebens. Leider aber auch das erwünschte zahlreiche Publikum, dass der Versuchung, König "Fußball" doch den Vorzug zu geben, wohl nicht widerstehen konnte. So konnte der Münchener Autor es genießen, einem eher intimen Kreis die umstrittenen Beobachtungen und Thesen seines Buches zu präsentieren, ohne den schon gewohnten Gegenwind von "Wutbürgern" erfahren zu müssen. "Der Wutbürger kann durchaus wütend reagieren, wenn man ihm den Spiegel vorhält.", resümierte Matzig seine Erfahrung mit seinem Buch. Er sei schon angefeindet, beleidigt oder gar bedroht worden, auch von Stammlesern der Süddeutschen Zeitung, für die er regelmäßig schreibe. "Nach dem Erscheinen meines Buches, dass sich aus verschiedenen Reportagen zu bürgerlichem Widerstand gegen Projekte wie Stuttgart 21 speist und das ich auf Anraten meines Redakteurs veröffentlicht habe, hat unsere Zeitung reihenweise Abonementkunden verloren."

 

Den "Wutbürger" skizzierte Matzig als gut gebildeten, gut situierte Menschen der bürgerlichen Mitte, zumeist in der zweiten Lebenshälfte, der den öffentlichen Raum als Ort für seinen Unmut und Protest neu entdeckt. Seine Motivation entstammt dabei überwiegend aus einer, ob nun real oder vermeintlich existierenden, persönlichen Betroffenheit durch ein öffentliches Unterfangen, wie die Anlage eines Windparks in Sichtweite vom eigenen Gartenzaun oder der planerischen Sanierung eines als idyllisch empfunden Lebensumfeldes. Der stets gut informierte Bürger erkennt hier ein Eingriff in seine Belange und beginnt sich für seine Interessen zu engagieren ... ein Bürger, wie ihn sich die Demokratie wünscht. Allerdings entwickelt sich aus diesem positiven bürgerschaftlichen Engagement in einigen Fällen eine kompromisslose Haltung, die im Spannungsfeld von öffentlichen und privaten Interesse das bedingungslose Primat des Eigeninteresses statuiert. Der "Wutbürger" ist geboren. Er verlässt den demokratischen Diskurs, dessen Essenz gerade die Suche nach einem für alle Beteiligten noch tragbaren Kompromiss ist, und wird zum diskussionsunfähigen Kämpfer in eigener Sache. Dabei wird die "eigene Sache" gern als gesellschaftliche Frage überhöht. Es geht nicht mehr um einen verstellten Blick vom eigenen Gartenzaun, sondern um fehlende demokratische Strukturen in einem repräsentativen System, die Entmündigung des Bürgers oder gar staatliche Repression. Die Hauptkennzeichen des "Wutbürgers" werden seine zunehmende Humorlosigkeit, der bittere Ernst, den sein Anliegen umgibt und die zunehmende Lautstärke, mit der er seine Argumente dem "Gegner" entgegenschleudert.

 

Matzig beschrieb anhand von verschiedenen Beispielen, durchaus mit einem eulenspiegelschen Humor, welche Stilblüten das Wutbürgertum in der gesamten Republik treibt und welche Probleme die damit einhergehende Kritik- und Diskussionsunfähigkeit aufwerfen. Insbesondere die Umsetzung von Infrastruktur-Großprojekten, die viele Menschen privat beeinträchtigen, aber auch vielen Menschen wirtschaftlich von großen Nutzen sein können, werden in einer Atmosphäre der Kompromisslosigkeit erschwert oder gar unmöglich gemacht. So steht durchaus zu befürchten, dass Maßnahmen zur "Energiewende", wie der großflächige Ausbau von Stromtrassen zum Transport des Stroms aus erneuerbaren Energien, am "Wutbürgertum" scheitern können, die sich mit der Aussicht auf einen Strommast einfach nicht anfreunden können.

 

Matzig plädierte in seiner Lesung, sich auf die demokratischen Grundsätze unseres Zusammenlebens zurück zu besinnen und die gemeinsame Suche nach dem "Kompromiss" als vermeintlich beste, schlechteste Lösung für alle transparenter, offener und beteilungsfreundlicher zu gestalten und so die Menschen an einem demokratischen Entscheidungsprozess zu beteiligen, aus dem auch tragfähige Entscheidungen entstehen.

Widerspruch ernte Gerhard Matzig an diesem Abend in Ratzeburg mit seinen Thesen nicht, vielmehr Applaus eines wohlwollenden und interessierten Publikums, dass sogar noch zeitig zum EM-Fußballspiel Deutschland-Griechenland entlassen werden konnte.

„Einfach nur dagegen“ Wie wir unseren Kindern die Zukunft verbauen

Lesung mit Gerhard Matzig

22. Juni 2012, 19:30 Uhr Petri-Forum, Am Markt 7, Ratzeburg

Stuttgart 21, Olympia 2018: nein, danke – Warum sind wir gegen alles?
Die Atomkatastrophe in Japan hat gezeigt, welch desaströse Kehrseite moderne Technologien haben können – und dass wir die Zukunft unserer Kinder damit aufs Spiel setzen. Dennoch tun wir dies auf ebensolche Weise, wenn wir uns dem Wandel dauerhaft verweigern. Und Bedenken haben derzeit Konjunktur, „Wutbürger“ wurde zum „Wort des Jahres“. Der Protest gegen die Münchner Olympiabewerbung und die Revolte gegen den neuen Bahnhof in Stuttgart sind nur die jüngsten Beispiele für ein Phänomen, das in Deutschland um sich greift: das Dagegen-Sein. Die Zukunftslust ist uns offenbar vergangen. Fortschritt ist mittlerweile ein Wort, das Allergien auslöst, Technik ein Feindbild. Aber warum dieser Wille zum Stillstand, warum stehen Visionen und Utopien heute in solch schlechtem Ruf? Warum glauben wir, Werte wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz nur dann in unser Handeln integrieren zu können, wenn wir gleichzeitig den Rückwärtsgang in die Vergangenheit einlegen? Gerhard Matzig porträtiert eine neobiedermeierlich gestimmte und überalterte Gesellschaft, in der Angst, Missmut und Besitzstandsdenken regieren. Er zeigt, wie der Egoismus der Wutbürger unseren Kindern die Zukunft verbaut, und entwirft Szenarien einer neuen Moderne in Politik, Wirtschaft und Technik – für eine Welt, die uns einlädt, sie kreativ zu gestalten. Statt sie wütend zu bekämpfen.

 

Volkshochschule Ratzeburg in Kooperation mit der Buchhandlung Weber

Eintritt 5,00 €

Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme

24. Mai 2012, 19:30 Uhr Ratssaal des Ratzeburger Rathauses

"Rechter Terror? Das hat es doch früher in der Bundesrepublik nicht gegeben! Die Chroniken, die jetzt in den Zeitungen erscheinen, gehen meist nur bis in die frühen neunziger Jahre zurück. Als wäre der Rechtsterrorismus ein Produkt der Wiedervereinigung oder allein ein Restgift, eine Altlast der implodierten DDR. Tatsächlich hat es in der Bundesrepublik schon lange zuvor rechten Terror gegeben. Besonders in den siebziger Jahren stieg die Zahl der Gewalttaten rasant an, eine Entwicklung, die 1980 in eine in der Bundesrepublik bis dahin unbekannte Häufung rechtsterroristischer Taten aus dem neonazistischen Spektrum mündete", schreibt Fabian Virchow, Leiter des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus / Neonazismus an der FH Düsseldorf, in seinem Beitrag "Für Volk und Nation" auf „Zeit-online“. Von Anfang an sei diese Geschichte auch eine Geschichte der Geheimdienste gewesen.

Die rassistische Gewaltwelle der frühen neunziger Jahren, für die nicht zuletzt die Pogrome in Hoyerswerda und Rostock stehen, hat die extreme Rechte als Ermutigung empfunden. In den neonazistischen Gruppen phantasierte man über den bevorstehenden Volksaufstand. Noch heute werden im Internet und im RechsRock ungehemmt Gewalt- und Mordfantasien artikuliert. Virchow resümiert: "Hasserfüllt fiebert man dem großen Bürgerkrieg entgegen, aus dem ein neues völkisches Deutschland entstehen werde". Solche blutige Visionen verlangten nach dem Fanal und der Ausschaltung der Feinde. "Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die jetzt identifizierte Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund steht in der Kontinuität eines Rechtsterrorismus, wie er die Bundesrepublik seit den fünfziger Jahren begleitet".

Wir wollen diese Geschichte des Rechtsterrorismus in den Blick nehmen.

 

Eintritt frei!

 

Ausschluss-Klausel:
Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Versammlung ausgeschlossen.



Schule ≠ Demokratie? Podiumsdiskussion

26. April 2012, 19:30 Uhr, Rathaus Ratzeburg, Ratssaal

„Was Hänschen nicht lernt…“
Dass Demokratie immer wieder neu gelebt und erlernt werden muss, ist ein Gemeinplatz. Und unsere Gesellschaft hat ein ganz vitales Interesse daran, dass ihre Bürger ein sicheres Demokratie – Bewusstsein haben.

Da liegt es eigentlich nahe, dass dieser Bereich in der Schule einen besonderen Platz inne hat. Daran können aber nach Erfahrung vieler Menschen durchaus Zweifel gehegt werden. Ist dieser Eindruck zutreffend? Welche Möglichkeiten hat die Schule eigentlich, hier intensiv tätig zu werden? Was können oder müssen wir von (politischer) Erziehung in der Schule erwarten, was sollte Schule lieber anderen Bereichen überlassen?

Diesen und vielen anderen Fragen ist die Veranstaltung gewidmet, in der der bekannte Politikwissenschaftler Dr. Udo Metzinger ein Impulsreferat halten und anschließend eine Podiumsdiskussion mit Fachleuten moderieren wird: Schulleiter der Gymnasien Ratzeburg und Mölln, Thomas Engelbrecht und Dr. Thomas Brademann, der Gemeinschaftsschulen Ratzeburg und Mölln, Henning Nitz und Dr. Volker Schmidt, sowie der Berufsbildenden Schulen Mölln, Ulrich Keller. Als Fach(Unterrichts-)Mann ergänzt Dr. Andreas Groh (IQSH) die Runde.

 

Eintritt frei!

Vortragsreihe "Demokratie leben" - 2011

Ratzeburger Vortragsreihe "Demokratie leben" Veranstalter ziehen positive Bilanz

Ein äußerst positives Fazit ziehen die Veranstalter der Ratzeburger Vortrags- und Fortbildungsreihe "Demokratie leben" nach dem Abschluss der letzten Veranstaltung "Einstellungen zur Demokratie" mit Dr. Serge Embacher.


"Es ist uns mit unseren Vortragsangeboten gelungen, in den vergangenen Wochen viele Menschen für Themen der politischen Bildung zu begeistern", freuten sich Holger Martens und Silvia Tessmer von der VHS Ratzeburg über die gute Publikumsresonanz. Allein zur Auftaktveranstaltung der "Fallada Gesprächslesung" mit Klaus-Jürgen Mohr, Landrat a.D. Erhard Bräunig und Bürgermeister Rainer Voß kamen über 100 Besucher und auch die folgenden Veranstaltungen mit Klaus-Jürgen Betram, Andrea Röpke und Dr. Serge Embacher waren sehr gut besucht.


"Erfreut hat mich dabei am meisten, dass auf jeder Veranstaltung ein großer Gesprächsbedarf zu Themen von Demokratie und Extremismus zu erkennen war und lebhaft diskutiert wurde", zog Mark Sauer vom Verein Miteinander leben e.V. als Mitveranstalter der Reihe sein Resümee. Wichtige gesellschaftliche Themenkomplexe wie Integration, Rechtsextremismus und die Veränderungen in unserer Demokratie wurden mit viel Interesse, kritisch aber unverkrampft debattiert und konnten von den kompetenten Referenten mit vielen spannenden Informationen ergänzt werden.


"Es war ein wirklich intensiver Abend in Ratzeburg", freute sich auch Dr. Serge Embacher über die angeregte Gesprächskultur während seines Vortrages. "Ich habe schon seit längerem den Eindruck, dass das Interesse der Menschen an politischen Bildungsveranstaltungen stetig wächst, nicht nur in den Metropolregionen sondern durchaus auch in den ländlichen Räumen. Die Menschen wollen sich einbringen und mitreden und suchen nach neuen Wegen. Dafür war mein Vortrag in Ratzeburg ein gutes Beispiel."

 

Auch aus der Sicht des Ratzeburger Bündnisses hat sich die viele ehrenamtliche Arbeit, die in der Vorbereitung einer solchen Vortragsreihe steckt, sehr gelohnt. "Insbesondere der informative Fachvortrag von Andrea Röpke zum Thema "Mädchen, Frauen und Mütter in der rechten Szene" vor über 30 Personen aus Lehr- und Erziehungsberufen der Region, war gerade im Lichte der tagesaktuellen Ereignisse sehr wichtig und konnte den Anwesenden noch einmal verdeutlichen, in wie vielen oft auch wenig wahrgenommen Bereichen unserer Gesellschaft Rechtsextremismus bereits Einfluss nimmt.", sagte Pröpstin Frauke Eiben.


Bürgermeister Rainer Voß sprach für das Ratzeburger Bündnis mit Blick auf das Jahr 2012 aus: "Ich hoffe sehr, dass wir diesen Diskussionsprozesse auch im kommenden Jahr fortführen und mit weiteren Veranstaltungen zur politischen Bildung einen positiven Beitrag zu unserer poltischen Kultur, insbesondere auch den Umgang miteinander leisten können. Wir sind dem Lokalen Aktionsplan Herzogtum Lauenburg und dem Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" sehr dankbar, dass sie uns die Vortragsreihe "Demokratie leben" ermöglicht haben. Unser Dank gilt auch den Kooperationspartnern wie der Stiftung Mecklenburg, dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, der Kirchengemeinde St. Petri, des Osburg-Verlag, der Stadt Ratzeburg, dem Vokalensemble Ratzeburg und der Buchhandlung Weber.“





EINSTELLUNGEN ZUR DEMOKRATIE

Vortrag mit Dr. Serge Embacher vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) Berlin

30.11.2011 um 19:30 Uhr im Ratssaal des Rathauses

Die Einstellungen der Deutschen zur Demokratie sind ambivalent: Während die Demokratie als solche von den meisten akzeptiert und befürwortet wird, macht sich eine zunehmende Skepsis gegenüber der „real existierenden Demokratie“ und ihren Akteuren breit. Dieses tief sitzende Misstrauen ist Ausdruck wachsender sozialer Ungleichgewichte sowie eines Mangels an demokratischen Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Der Vortrag beleuchtet vor dem Hintergrund einer kritischen Zeitdiagnose Potenziale für eine neue bürgergesellschaftliche Solidarität.

Dr. Serge Embacher ist Politikwissenschaftler und Publizist und arbeitet u. a. für das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) in Berlin. Nach dem Studium der Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft promovierte er mit einer Arbeit über kritische Theorie der Öffentlichkeit. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Bürgergesellschaft und Demokratiepolitik. Zuletzt ist von ihm die Studie "Demokratie! Nein danke?" im Dietz-Verlag in Bonn erschienen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Die Veranstaltung beschließt die Ratzeburger Vortrags- und Fortbildungsreihe "Demokratie leben", ein Kooperationsprojekt des Vereins Miteinander leben e.V., des Ratzeburger Bündnisses und der Volkshochschule Ratzeburg, das durch den Lokalen Aktionsplan Herzogtum Lauenburg im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" gefördert wird.



MÄDELSACHE – MÄDCHEN UND FRAUEN IN DER RECHTEN SZENE

Öffentlicher Vortrag und Diskussion mit Andrea Röpke 29.11.2011 um 19:30 Uhr in der Ansverus-Kirche, Mechower Str. 4

Seit einigen Jahren treten Frauen in der männerdominierten neonazistischen Bewegung zunehmend selbstbewusster auf. Sie kandidieren für die NPD, organisieren Demonstrationen, führen Kassenbücher und kümmern sich um die Erziehung des rechten Nachwuchses. Vor allem aber sind sie bestrebt, rechtsradikale Politik unter dem Deckmantel von sozialen Themen wie Naturheilkunde, Ökologie, Kindergeld und Hartz IV auf kommunaler Ebene zu verankern. Gestützt auf Insiderinformationen geben die beiden ausgewiesenen Kenner des rechtsextremen Milieus Andrea Röpke und Andreas Speit in spannenden Reportagen einen Einblick in das Innenleben dieser Szene. Sie schildern, wo völkische »Sippen« bereits Vereine, Elternräte oder Nachbarschaften prägen, fragen, warum Politik und Verfassungsschutzbehörden diesem gefährlichen Treiben tatenlos zuschauen, und zeigen Strategien gegen die rechtsradikale Unterwanderung der Gesellschaft auf.


Andrea Röpke, Jahrgang 1965, ist Politologin und freie Journalistin. Ihr Spezialgebiet: Rechtsextremismus. Neben diversen Fernsehmagazinen wie Monitor, Spiegel-TV und Panorama wurden ihre aufwendigen Inside-Recherchen im Neonazi-Milieu auch in der Taz, Süddeutsche-Online und in Fachportalen wie Blick nach rechts veröffentlicht.


2009 erhielt sie den Preis der Lutherstädte »Das unerschrockene Wort« und wurde von der US-Botschaft in Berlin im Rahmen des »International Women of Courage Award« geehrt. Bücher u.a."Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft" (hg. mit Andreas Speit), 3., akt. Auflage 2009.


Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


Die Veranstaltung führt die Ratzeburger Vortrags- und Fortbildungsreihe "Demokratie leben" fort, ein Kooperationsprojekt des Vereins Miteinander leben e.V., des Ratzeburger Bündnisses und der Volkshochschule Ratzeburg, das durch den Lokalen Aktionsplan Herzogtum Lauenburg im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" gefördert wird. Über den gesamten November hinweg sind fünf Veranstaltungen zu sehr unterschiedlichen Aspekten von Demokratie und Extremismus geplant, die politisch interessierte Menschen zum Zuhören, Mitdenken und Mitdiskutieren einladen möchten, aber auch ein Fortbildungsangebot für ein Fachpublikum beinhalten.

Onkel Ali & Co - Meine Multikulti-Straße

Lesung mit Jürgen Bertram

16.11.2011, 19:00 Uhr im Petri-Forum

Ob er nun einen vietnamesischen Fischhändler kennenlernte, einen von islamischen Mitgliedern geprägten Boxklub oder eine kabylische Tänzerin – überall traf er auf fesselnde Lebensberichte und die Bereitschaft, dem Gastland etwas zurückzugeben. Aufklärung, aber keine Verklärung lautet das Credo seines Buches, das nicht für den Stammtisch bestimmt ist.


Jürgen Bertram, Jahrgang 1940, begann seine journalistische Laufbahn bei einer niedersächsischen Heimatzeitung und kam 1972 nach Redakteursjahren bei der Deutschen Presseagentur und beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel zum NDR-Fernsehen, für das er 13 Jahre als Fernsehkorrespondent aus China und Südostasien berichtete. Er ist Autor zahlreicher zeitkritischer Bücher.

 

Jürgen Bertram liest im Rahmen der Ratzeburger Vortragsreihe "Demokratie leben" im Petri-Forum. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. 

»Deutschland schafft sich ab« – die Erregung, die Thilo Sarrazins These auslöste, begriff Jürgen Bertram, der als Fernsehkorrespondent selbst viele Jahre im Ausland verbrachte, als Anregung. Er streifte durch seine Straße im ganz normalen Hamburger Stadtteil Eimsbüttel und führte Gespräche mit den Menschen, um die es in der unvermindert heißen Integrationsdebatte geht. Das Ergebnis seines Spaziergangs durch die Kulturen sind spannende Lebensgeschichten und überraschende Erkenntnisse.

„Jeder stirbt für sich allein“ - Was Fallada uns heute zeigen kann...

Lesung und Gespräch zum „Deutschen Tag“ mit Klaus-Jürgen Mohr, Erhard Bräunig und Rainer Voß

09.11.2011 um 19:00 Uhr, im Haus Mecklenburg, Reuter-Saal

Hans Falladas Werk „Jeder stirbt für sich allein“ erlebt aktuell eine Wiederentdeckung. Es geht um Rechtsextremismus im Alltagsleben, wie er sich dort festsetzt, wirkt, Angst verbreitet und die Menschen verändert ... Täter entwickelt und Opfer schafft. Falladas Erzählung ist hochaktuell, dies kann Landrat a.D. Erhard Bräunig aus Nordwestmecklenburg berichten. Rechtsextremismus entfaltet Wirkung und viele Facetten, die Fallada aus dem Alltagsleben unter dem Nationalsozialismus beschreibt, sind auch heute in Ansätzen wieder erkennbar. Diese geschichtlichen und aktuellen Erfahrungskontexte zu verbinden, soll an diesem Abend mit seinem für Deutschland geschichtlich bedeutsamen Datum an geschichtlich symbolischer Stätte gewagt werden.

Klaus-Jürgen Mohr liest aus Falladas Werk. Rainer Voß ist im Gespräch mit Erhard Bräunig. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt vom Ratzeburger Vokalensemble unter Leitung von Holger Martens.



Die Veranstaltung eröffnet die Ratzeburger Vortrags- und Fortbildungsreihe "Demokratie leben", eine Kooperationsprojekt des Vereins Miteinander leben e.V., des Ratzeburger Bündnisses und der Volkshochschule Ratzeburg, das durch den Lokalen Aktionsplan Herzogtum Lauenburg im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" gefördert wird. Über den gesamten November hinweg sind fünf Veranstaltungen zu sehr unterschiedlichen Aspekten von Demokratie und Extremismus geplant, die politisch interessierte Menschen zum Zuhören, Mitdenken und Mitdiskutieren einladen möchten, aber auch ein Fortbildungsangebot für ein Fachpublikum beinhalten.

 

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Der Veranstaltungsort ist nicht barrierefrei. So weit möglich, können notwendige Hilfestellungen angeboten werden. Bitte wenden Sie sich an die Veranstalter unter 04541 - 8000-114.

Ratzeburger Vortrags- und Fortbildungsreihe zu Demokratie und Extremismus

Demokratie muss gelebt werden, Demokratie muss erlernt werden... Politische Bildung ist dazu der Schlüssel ... an Schulen wie in der Erwachsenenbildung. In diesem Sinne möchten der Verein Miteinander leben e.V., die Volkshochschule Ratzeburg und das Ratzeburger Bündnis in diesem Herbst gemeinsam eine Vortrags- und Fortbildungsreihe zu den Themenkomplexen Demokratie und Extremismus initiieren, um damit Wissen zu erschließen und Diskussionsprozesse für eine gelebte Demokratie anzustoßen.



(vl.) Bürgermeister Rainer Voß, Volkshochschulleiter Holger Martens und Mark Sauer, Vorsitzender des Vereins Miteinander leben e.V. - Foto: Andreas Anders -

Über den gesamten November hinweg sind fünf Veranstaltungen zu sehr unterschiedlichen Aspekten von Demokratie und Extremismus geplant, die politisch interessierte Menschen zum Zuhören, Mitdenken und Mitdiskutieren einladen möchten, aber auch ein Fortbildungangebot für ein Fachpublikum beinhalten. Die Vortragsreihe wird ermöglicht durch eine Zuwendung aus dem Lokalen Aktionsplan Herzogtum Lauenburg im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN".


„Jeder stirbt für sich allein“ – Was Fallada uns heute zeigen kann..."
09.11.2011 um 19:00 Uhr

Lesung und Gespräch zum „Deutschen Tag“
mit Klaus-Jürgen Mohr, Erhard Bräunig und Rainer Voß
im Haus Mecklenburg, Reuter-Saal


Ihren Anfang wird die Reihen am 09. November 2011 um 20:00 Uhr im Reuter-Saal des Hauses Mecklenburg nehmen. Unter dem Titel „Jeder stirbt für sich allein“ – Was Fallada uns heute zeigen kann..." möchten Klaus-Jürgen Mohr, Erhard Bräunig und Rainer Voß den Versuch wagen, Kernaussagen aus Hans Falladas wiederentdeckten Werk "Jeder stirbt für sich allen" mit gesellschaftlichen Entwicklungen heute in Beziehung zu setzen und ihre Aktualität aufzuzeigen. Es geht um Rechtsextremismus im Alltagsleben, wie er sich dort festsetzt, wirkt, Angst verbreitet und die Menschen verändert ... Täter entwickelt und Opfer schafft. Klaus-Jürgen Mohr wird aus Falladas Werk lesen, Rainer Voß die vorgteragen Passagen mit Landrat a.D. Erhard Bräunig disktutieren. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt vom Ratzeburger Vokalensemble unter Leitung von Holger Martens. Der Eintritt ist frei.